Vita Kilian Gottwald

In Marburg an der Lahn 1967 geboren wuchs ich in Amöneburg, der idyllischen Stadt auf dem Berg, in einem musikalischen Elternhaus mit vier Geschwistern auf. Der Wunsch seit der Grundschulzeit, den Orgelbauerberuf zu erlernen, mag mit den früh ausgeprägten musikalischen, gestalterischen, handwerklichen und historischen Interessen zusammenhängen, Klavier- und Orgelunterricht folgten später. Ein Klassenkamerad, der mit etwa 11 Jahre bereits Gottesdienste spielte, und ein hochmusikalischer Ortspfarrer, der mich schon damals auf eine Orgelstudienfahrt nach Paris mitnahm, waren mitentscheidend auf dem Weg nach dem Abitur zur Orgelbaulehre in Frankenberg. Es folgten mehr als zwanzig Jahre verantwortliche Mitarbeit im klanglichen Bereich in der mir schon aus Kindertagen vertrauten Marburger Werkstatt Woehl. Mir fielen dort neben der Vorbereitung der Labialregister und Anfertigung der Zungenstimmen häufig auch selbständige Aufgaben etwa an Instrumenten von Ladegast, Sauer, Walcker und Knauf zu. Die denkmalgerechte Restaurierung barocken Pfeifenwerkes u.a. von Schnittger und das Erstellen von Berichten und Festschriftartikeln gehörten ebenso zu meinen Tätigkeiten. Nach der Meisterprüfung mit Auszeichnung führten dann vielerlei gezielte Anfragen 2010 zu dem Entschluss, eine eigene Firma zu gründen.

Mit Beginn des Wintersemesters 2012 ist mir der Lehrauftrag für Orgelkunde an der Hochschule für Musik in der Universität Mainz erteilt worden, eine schöne Aufgabe! Im Juni 2013 wählte mich die hessische Musikinstrumentenmacherinnung zum Obermeister.

Hinzu kommt eine reiche musikalische Tätigkeit. Nachdem ich als Kind schon still irgendwo vor mich hin zeichnend bei Probenwochenenden der Eltern im Marburger Bachchor dabei sein durfte, lag später eine Ausbildung am bischöflichen Kirchenmusikinstitut Fulda bis zur C-Prüfung nahe. Seit vielen Jahren leite ich den Kirchenchor meiner Heimatstadt und versehe an mehreren Kirchen den Organistendienst. Die Gesangausbildung (Bassbariton) bei Evan Bortnick, Wiesbaden, eröffnete mir die Möglichkeit, einige solistische Erfahrung in der Kirchenmusik und im Balladenvortrag zu sammeln. Die Arbeit als Arrangeur und Bariton des Bellavox-Quartetts hat mir immer besondere Freude gemacht. 2006 schloss ich die berufsbegleitende Ausbildung zum Gesanglehrer am Institut für funktionales Stimmtraining in Walheim ab. Zur privaten Unterrichtstätigkeit kommt seither auch gezieltes gesangpädagogisches Arbeiten mit Männer- und Frauenchören und seit Sommer 2009 ein Lehrauftrag für Stimmbildung am bischöflichen Kirchenmusikinstitut in Fulda.

In der Verbindung von Singen, Gesanglehre und Orgelbau sehe ich einen ausgesprochen fruchtbaren dynamischen Prozess mit Auswirkungen auf die Arbeit am Instrument, aber auch auf die pädagogische Arbeit etwa bei der Realisierung speziell historisch informierter aufführungspraktischer Erfordernisse im Hinblick auf klangliche Fülle, Wärme und Tragfähigkeit.

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